Karl Heinz Kappl lebt und arbeitet seit 2001 in Hechenwang am Ammersee, Oberbayern.
„Konkret zu malen ist dem Künstler … nicht genug – er setzt noch eines drauf“ so die einleitenden Worte der Presse zur Ausstellungseröffnung in der Galerie Goller. Und dem kann man nur zustimmen. „konkret+“ nennt sich die Ausstellung. Das Plus steht für die besondere Art des Farbauftrages sowie der verwendeten Materialien. Denn neben Farbe arbeitet Karl Heinz Kappl mit Hölzern, Garnen oder Wellpappe und vielem mehr. Seine Bilder entstehen durch langwierige Kleinarbeit und Fleiß. Dabei überraschen seine Werke mit einer verblüffenden, abwechslungsreichen Vielfältigkeit und machen einfach Spaß sie anzuschauen.

Werk von Karl Heinz Kappl "Welthälzer" - 2018 - Hölzer, Öl auf Leinwand - 80 x 80 cm

Kurz-Vita des Künstlers:

1960 geboren in Osterhofen, Kreis Deggendorf, Niederbayern
1968 Umzug nach München, Oberbayern
1981-1987 Studium an der Akademie Bildenden der Künste, München
Malerei bei Prof. Horst Sauerbruch
Objektbau und kinetische Plastik bei Daniel Spoerri
1987-1989 Abschluss Diplom und Staatsexamina
seit 1989 freischaffender Künstler und Kunsterzieher (Gymnasium Kloster St. Ottilien, Windach)
1989-2000 Projekt Kunstmühle Windach
seit 2001 Hechenwang am Ammersee

Werk von Karl Heinz Kappl "Victor" - Hommage an Victor Vasarely - 2013 - Öl Grattage auf Leinwand - 50 x 50cm

Quadrate – Rechtecke

Gerade Linien, parallele Linien und Diagonale – horizontale und vertikale Einheiten, die immer wieder kommen aneinander kombiniert werden. Die Malerei von Karl-Heinz Kappl ist weit weg von gegenständlichen, wiedererkennbaren Malerei. Die Geradlinigkeit lassen an Bauhaus-Künstler Josef Albers oder Piet Mondrian denken, den frühen Protagonisten der konkreten und konstruktiven Kunst.

Der Schwerpunkt liegt bei ihm auf optischen und haptischen Strukturen. Wenn er malt, verwendet er ausschließlich Ölfarbe und setzt diese bewusst vorwiegend pastos ein. Er streicht sie nicht – höchstens in Ausnahmesituationen – mit dem Pinsel auf, sondern drückt sie z. B. aus einer Pipette, sodass sie erhaben auf der Leinwand antrocknet. Beim systematischen Auftragen der Punkte fühlt er sich oft in den Rhythmus des Stepp-Tanzes versetzt, den er gerne ausübt.

Wenn er den Farbauftrag flächig gestaltet, trägt er nicht selten Schichten unterschiedlicher Farben übereinander auf und arbeitet dann mit Metallteilen, z. B. Nadeln, die Farbe unterschiedlich tief wieder weg. Walter Mayer, Kunsterzieher und Kulturreferent, sagt dazu: „Es gibt Tiefenschichten, die er durch unterschiedliche Farbigkeit, die wiederum durch die Technik der Grattage entsteht, erreicht. So experimentiert Karl Heinz Kappl mit Farben, verwirrenden Mustern, malerischen Turbulenzen und geometrischen Formen im Raum der Bilder zwischen der zweiten und der dritten Dimension.“

Werk von Karl Heinz Kappl - "Overlapping" - Öl Grottage auf Leinwand - 2014 - 50x50 cm
Werk von Karl Heinz Kappl "Filio del fornaio" - Faden auf Leinwand - 2018 - 80x80 cm
Werk von Karl Heinz Kappl - "Tektura falista" - Wellpappe auf Leinwand - 2019 - 80 x 80 cm
Werk von Karl Heinz Kappl - "Cannucce in bianco e nero" - 2019 - Papierhalme auf Leinwand

Zentriert

Geometrische Gliederungen entstehen durch systematisch eingeteilte Teilflächen, in denen er malerisch Kurzstriche aufträgt. Hier geht er vom Mittelpunkt der Leinwand aus und malt sternförmig zu den Rändern des Bildträgers dünne Linien oder setzt kleine Hölzer (Streichhölzer ohne Kopf). Es entstehen Strahlen (fast wie bei Leuchtkörpern eines Feuerwerks) und im Zentrum bildet sich eine Art Nabel. Aus dem Mittelpunkt heraus sprüht förmlich die Energie der Bilder. Dabei faszinieren die doch recht großformatigen Werke den Betrachter durch ihre Feinheit und  Exaktheit.

Werk von Karl Heinz Kappl - "Centre d´argent"- 2016 - Öl auf Leinwand - 80 x 80 cm
Werk von Karl Heinz Kappl - "Roundabout" - 2013 - Öl Grattage auf Leinwand - 50 x 50 cm

Strukturen

Auch ohne Linien und Zentrierung lassen sich in diesen Werken Regeln und wiederkehrende Strukturen und Gesetze erkennen. Auch wenn der Titel „Filo Casuale“ „zufällige Faden“ heißt.

Karl Heinz Kappl selber beschreibt sein Mal-Stil wie folgt: „Aus den Ornament-Formen und Symmetrien, Strukturen und Rhythmisierungen der Naturfotografie entstand über Jahre die jetzige Formensprache meiner „konkret+“-Malerei.“ Und er erklärt diesen Zusatz „+“  derart: „Das „+“ steht für einen malerischen und strukturierten Farbauftrag (Öl auf Leinwand), der die bisherige neutrale Farbflächen-Gestaltung der konkreten Kunst erweitert; also +.“

Werk von Karl Heinz Kappl - "Tessuto Cielo" - 2016 - Öl auf Leinwand - 100 x 100 cm
Werk von Karl Heinz Kappl - "Filo Casuale" - 2018 - Garn / Öl auf Leinwand - 40 x 40 cm

Die Ausstellung mit 28 Werken von Karl Heinz Kappl ist bis zum 26. April 2020 nach telefonischer Terminvereinbarung in der Galerie Goller – Ringstr. 52 in 95100 Selb zu besichtigen.
Terminvereinbarung unter: +49 (0)9287 – 4347